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Druck und dissipative Strukturen

Was Becker, Prigogine und Khalifa verbindet

Druck und dissipative Strukturen

 

Von Gisbert NiederfĂŒhr

 

Mohamed Khalifa ermöglicht durch seine Arbeit im Körper (in der verletzten Region) VorgĂ€nge, die unmöglich erscheinen. Er versetzt Körperregionen, eine riesige Zahl von MolekĂŒlen, in einen neuen Zustand; einen Zustand der Zusammenarbeit auf höchstem Niveau. Er erzeugt dissipative Strukturen. Ausgangspunkt ist Druck. Druck, den er auf bestimmte, in Jahre langer Arbeit gefundene Punkte ausĂŒbt.

 

Was steckt dahinter?

Am Anfang steht der belgische Physikochemiker Ilya Prigogine (NobelpreistrĂ€ger 1977). Er rĂ€umte mit dem Weltbild vom chaotischen Organismus, dessen chemische Reaktionen alle vom Zufall bestimmt werden (zentraler Bestandteil des biochemischen Weltbildes) auf. Prigogine zeigte, dass aus einem Chaos durch passende Energiezufuhr – weit entfernt vom thermischen Gleichgewicht – Ordnung entstehen kann. Zuvor voneinander unabhĂ€ngige MolekĂŒle arbeiten plötzlich zusammen, verhalten sich als Ganzes, als Kollektiv. Es entsteht eine höhere Ordnung weit weg vom Gleichgewichtszustand.

Die dissipativen Strukturen nach Prigogines Theorie (von Fritz Albert Popp spĂ€ter nachgewiesen) beschrieb der britische Physiker deutscher Herkunft Herbert Fröhlich Mitte des 20. Jahrhunderts physikalisch. Auch er untersuchte die Wechselwirkung großer Teilchenzahlen hin zu kooperativem Verhalten. Er bewies physikalisch, „dass in lebenden Organismen langreichweitige kohĂ€rente BezĂŒge und Strukturen eine grundlegende Rolle spielen mĂŒssen, indem sie biologische VorgĂ€nge wie die Funktion von Enzymen, die Speicherung von Energie, das Wachstum und den Aufbau von Strukturen regulieren.“ Eine bestimmte Schwingung des Systems wird auf Kosten anderer möglicher Frequenzen plötzlich (nicht linear) extrem verstĂ€rkt. Autokatalytische (sich selbst verstĂ€rkende) Prozesse sind dafĂŒr verantwortlich, dass sich das System weit weg vom thermischen Gleichgewicht unter stĂ€ndiger Energiezufuhr als dynamische Ordnung stabilisieren kann, sofern die zugefĂŒhrte Energie einen bestimmten Mindestwert ĂŒberschreitet.

Was bedeutet das fĂŒr Mohamed Khalifas Arbeit?

Durch Energie von außen können auch ĂŒber lĂ€ngere Wege hinweg zuvor nicht zusammenhĂ€ngende MolekĂŒlgruppen in eine höhere Ordnung gebracht werden, in der sie auf hohem Niveau zusammenarbeiten und zuvor nicht mögliche Funktionen und Strukturen RealitĂ€t werden. Zum Beispiel den Austausch von Elektronen und Wechselwirkungsteilchen fast in Lichtgeschwindigkeit.

 

Welche Rolle spielt nun der Druck?

Pierre Curie entdeckte 1880 die PiezoelektrizitĂ€t. Quarzkristalle polarisieren sich bei einer Verformung durch Zug, Torsion und Druck. Heute weiß man, dass auch Haut und Knochen diese piezoelektrischen Eigenschaften haben. Sie haben damit die Möglichkeit, kohĂ€rente elektromagnetische Wellen zu erzeugen. Das heißt, wie Fröhlich bewiesen hat: Es wird eine spezielle Frequenz der Zellschwingung extrem verstĂ€rkt. Ausgelöst wird dadurch eine elektromagnetische Welle, die die Selbstheilung im Körper auslöst, wie sie der amerikanische Chirurg Robert O. Becker in seinen Arbeiten zum Beispiel bei Salamandern und Fröschen nachgewiesen hat. Und weil Khalifa bei seiner Arbeit den Druck und damit die Energiezufuhr stĂ€ndig aufrecht erhĂ€lt, bleibt die Zielregion mit allen MolekĂŒlen/Atomen in dem durch den Effekt der dissipativen Strukturen ausgelösten Zustand der höheren Ordnung, in der die MolekĂŒle auf hohem Niveau zusammenarbeiten.

Was hat es mit Beckers Arbeiten auf sich?

Becker, Pionier der Elektrobiologie, hatte schon in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckt, dass Gleichspannungsfelder von Gehirn und Körper die  Voraussetzung fĂŒr alle Heil- und Wachstumsprozesse im Körper bilden.

Wenn Strom Glieder wachsen lÀsst

Den sogenannte Verletzungsstrom (die elektrische NeutralitĂ€t wird nach einer Verletzung aufgehoben, Strom fließt im Körper) hatte bereits 1830 Carlo Matteucci, Physikprofessor in Pisa, entdeckt. Stichhaltig nachgewiesen hat ihn Becker. Er beobachtete Frösche und Salamander nach der Amputation von Gliedmaßen. Beim Frosch stellte er direkt nach dem Verlust einer Gliedmaße fest, dass der Verletzungsstrom positiv wird und das auch noch zwei bis drei Tage lang so bleibt. Erst dann bildet er sich langsam wieder zur NeutralitĂ€t zurĂŒck. Das verlorene Glied wĂ€chst nicht nach.

Beim Salamander wird der Verletzungsstrom zunĂ€chst auch positiv, Ă€ndert sich aber bald hin zu stark negativ und bildet sich gleichzeitig mit der Kurve beim Frosch zum neutralen Ausgangspunkt zurĂŒck. Das verlorene Glied allerdings wĂ€chst bei ihm nach.

Becker setzte deshalb auch beim Frosch kĂŒnstlich ein negatives Potential an und siehe da – dem Frosch wuchs ein neuer Fuß.

Das eröffnete sensationelle Perspektiven auch fĂŒr den Menschen. Denn auch SĂ€ugetiere besitzen, wie Beckers weitere Forschungen ergaben, dieselbe Art von körpereigenem, elektrischem Regenerationssystem wie die niederen Tiere. Die RegenerationsfĂ€higkeit ist zwar nicht mehr so ausgeprĂ€gt, kann durch schwache Ströme aber verstĂ€rkt werden. Englische Ärzte entdeckten beispielsweise, dass bei Kindern abgetrennte Fingerspitzen mit Hilfe von Elektrostimulation wieder nachwachsen können. Allerdings nur, wenn der Stumpf noch mit Haut ĂŒberzogen ist. Becker und andere Forscher jedoch zeigten, dass die Neubildung von Gewebe, Nerven und Knochen durch elektrische Stimulierung auch bei Erwachsenen wieder aktiviert werden kann.

Bei KnochenbrĂŒchen wird sie mittlerweile mit Erfolg eingesetzt. Dabei ist die Frequenz ausschlaggebend. Außer bei der Knochenheilung hilft die Elektrostimulation auch, Wunden zu heilen und zu sterilisieren.

Das Wachstum an der verletzten Stelle geschieht, indem die reifen differenzierten Zellen auf noch unbekannte Weise wieder embryonal werden (Dedifferenzierung oder Entdifferenzierung zu Blastemzellen).

In diesem Zusammenhang muss auch Mohamed Khalifas Arbeit gesehen werden. Durch Druck löst er eine elektromagnetische Welle aus, die die Zellen entdifferenziert und neues Wachstum ermöglicht. Herausgefunden zu haben, diesen Prozess prĂ€zise auszulösen und zu steuern, ist das große Verdienst des Ägypters, das der Medizin ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

Detailiertere Informationen dazu im Buch: BĂ€nder wieder wachsen lassen, Wie Mohamed Khalifa heilt. Karl Heinrich Bock Verlag, April 2007

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